Private Haftpflichtversicherung

Mehr als 60 Prozent der deutschen Haushalte haben eine private Haftpflichtversicherung. Die private Haftpflichtversicherung ist somit eine der weitverbreitesten und auch wichtigsten Versicherungen. Führen Sie (auch unabsichtlich) einer dritten Person einen Schaden zu, sind Sie gesetzlich dazu verpflichtet eine Schadensersatzleistung zu erbringen.

Gesetzliche Grundlagen

Nach gesetzlichen Richtlinien ist jede Person in Deutschland dazu verpflichtet, für einen schuldhaft verursachten Schaden eine Schadensersatzleistung zu erbringen, wenn die geschädigte Person vom Schadensersatzrecht Gebrauch macht. Um sich gegen privat verursachte Schadensersatzkosten abzusichern, gibt es die private Haftpflichtversicherung.

Aus den Versicherungsbedingungen für die Haftpflichtversicherung geht hervor, dass der Haftpflichtanspruch aufgrund gesetzlicher Haftpflichtbestimmungen des Privatrechts begründet sein muss. Nur dann kann der Geschädigte einen Schadensersatz verlangen und somit die Haftpflichtversicherung des Schädigers in Anspruch genommen werden.

Die Grundlage zu der Schadensersatzpflicht ist in §823 BGB geregelt. Treffen die Voraussetzungen aus dem Gesetz zu, sind Sie zu Schadensersatz verpflichtet. In dem Gesetzestext ist festgelegt, dass Sie eine Entschädigungsleistung erbringen müssen, wenn Sie einer anderen Person vorsätzlich oder fahrlässig einen Schaden zufügen. Die private Haftpflichtversicherung leistet daher bei Schäden, die den Körper, die Gesundheit, die Freiheit, das Eigentum oder ein sonstiges Recht einer anderen Person verletzt.

Leistungen der Privathaftpflichtversicherung

Die private Haftpflichtversicherung erstattet im Falle eines verursachten Schadens die entstandenen Personen-, Sach- und Vermögensschäden. Darüber hinaus können Sie als Versicherungsnehmer noch viele weitere Leistungen versichern:

  • Ansprüche gegen minderjährige, deliktunfähige Kinder
  • Schadensersatz wegen Diskriminierung nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz
  • Schäden an dritten Personen, die durch Haushaltshilfen verursacht wurden
  • Haftpflicht als Inhaber von Immobilien
  • Betrieb einer Solaranlage und die Stromabgabe an Dritte, sofern nicht gewerblich
  • Mietsachschäden
  • Verlust von fremden Schlüsseln
  • Haftpflichtschäden, die in der Freizeit oder beim Sport passieren
  • Schadensersatzpflicht aufgrund eines Datenaustauschs
  • Schadensverursachung durch zahme Haustiere

Was kann mitversichert werden?

Bei vielen Haftpflichtversicherungen kann zusätzlich noch eine Forderungsausfalldeckung oder der Verlust von Schlüsseln mit eingeschlossen werden, um den Umfang der Versicherung zu erweitern.

Grundsätzlich sind außerdem in der Privathaftpflichtversicherung lediglich zahme Haustiere, wie Kaninchen oder Katzen, mitversichert. Für Hunde und Pferde müssen Sie eine separate Versicherung abschließen. Weitere Informationen gibt es zu diesem Thema im Bereich der Hundehaftpflichtversicherung und Pferdehaftpflichtversicherung.

Wann sind Gefälligkeitsschäden abgesichert?

Manche Versicherungstarife bieten keinen Schutz für Schäden, die aufgrund einer unentgeltlichen Hilfeleistung (Gefälligkeitshandlung) entstanden sind. Helfen Sie zum Beispiel einem Freund bei einem Umzug und Sie demolieren bei der Verladung den Fernseher, dann wird keine Deckung geboten. Der Fernseher muss selbstständig erstattet werden, sofern der Geschädigte nicht auf einen Haftungsanspruch verzichtet.

Andere Regelungen gibt es bei höherwertigen Tarifen. Sogenannte Komfort-Tarife erbringen selbst bei Gefälligkeitshandlungen eine Entschädigung. Die Spanne der maximalen Erstattung ist sehr groß und liegt zwischen 1.000,- und 10 Millionen Euro. Bei einem Vergleich der Tarife werden Sie entsprechend sehen, dass die Beiträge für einen sehr guten Versicherungsschutz nicht wesentlich höher sind. Aus diesem Grund ist der Einschluss einer hohen Deckungssumme auf jeden Fall ratsam. Daneben sollten Sie noch darauf achten, ob eine Selbstbeteiligung für Gefälligkeitsschäden vorhanden ist. Bei der Gegenüberstellung in dem Vergleichsrechner ist bei solchen Haftpflichttarifen ein entsprechender Hinweis vermerkt.

Sind Gefälligkeitsschäden im Versicherungsschutz eingeschlossen, kann die Versicherung eine Leistung nur verweigern, wenn ein anderes Versicherungsunternehmen vorrangig für den entstandenen Schaden aufkommen muss. Geht beispielsweise der Fernseher bei dem Umzug kaputt, könnte die Hausratversicherung des Eigentümers dafür leisten.

Was ist häufig nicht versichert?

Grundsätzlich gelten für Haftpflichtversicherungen allgemeine Ausschlüsse:

  • Vorsätzlich herbeigeführte Schäden
  • Haftpflichtansprüche gegen mitversicherte Personen
  • Haftpflichtansprüche gegen Angehörige, die mit dem Versicherungsnehmer zusammen wohnen
  • Schäden durch eine Betreuungsperson
  • Schäden an gemieteten oder gepachteten Sachen
  • Beschädigungen an gestohlenen Gegenständen
  • Gewerblich oder beruflich verursachte Schäden
  • Umweltschäden gemäß Umweltschadensgesetz
  • Schäden durch Sachen, die trotz gekannter Mangelhaftigkeit in Umlauf gebracht wurden
  • Haftpflichtansprüche aufgrund giftiger Substanzen oder energiereicher Strahlung
  • Persönlichkeits- oder Namensrechtsverletzungen
  • Diskriminierungen, Beleidigungen oder Belästigungen
  • vorsätzliches oder grob fahrlässiges Verhalten bei der Übertragung von Krankheiten
  • Schäden, die durch Erdrutsch, Überschwemmungen oder Erdsenkungen entstehen
  • Schäden aufgrund gentechnischer Tätigkeiten

Speziell in der privaten Haftpflichtversicherung gibt es zum Beispiel keinen Versicherungsschutz, wenn die folgenden Fälle vorliegen. Häufig können diese allerdings über eine andere Versicherungssparte versichert werden:

  • Schäden aufgrund eines Amtes
  • Teilweise Schäden, die aus einer freiwilligen Hilfeleistung resultieren (Gefälligkeitshandlung)
  • Gewerbliche Betriebe
  • Schäden durch Abnutzung oder Verschleiß
  • Schäden an Heizungsanlagen im Rahmen eines Mietverhältnisses
  • Schlüsselverlust aus einer selbstständigen oder freiberuflichen Tätigkeit
  • Schäden durch unbefugten Eingriff in Datennetzwerke oder Spamming

Ist der Versicherungsnehmer der Haftpflichtversicherung eine juristische Person (zum Beispiel GmbH, OHG oder GbR), sind zudem Haftpflichtansprüche von deren gesetzlichen Vertretern oder Gesellschaftern ausgeschlossen. Haftpflichtschäden aufgrund einer beruflichen oder gewerblichen Tätigkeit sichern Sie zusätzlich über eine Betriebshaftpflichtversicherung ab.

Vorsorgeversicherung in der Privathaftpflicht

Mit einer Vorsorgeversicherung werden in der Haftpflichtversicherung hinzukommende Risiken automatisch in den Versicherungsschutz eingeschlossen. Weitere Risiken sind beispielsweise in der Hundehaftpflichtversicherung ein neu angeschaffter Hund oder in der privaten Haftpflichtversicherung ein neugeborenes Kind.

Die Höhe der Versicherungssummen ist in der Vorsorgeversicherung oft auf bestimmte Beträge begrenzt:

  • 1.000.000,- Euro für Personenschäden
  • 500.000,- Euro für Sachschäden
  • 20.000,- Euro für Vermögensschäden

Jede Haftpflichtversicherung muss über neue Risiken informiert werden, wenn sie in den Versicherungsschutz mit berücksichtigt werden sollen. Die Anzeigepflicht läuft in der Regel vier Wochen nach Erhalt der Beitragsrechnung ab. Erfolgte hierbei keine Mitteilung an die Versicherung, wird der Schutz rückwirkend aufgehoben.

Neue Fahrzeuge in der Kfz-Haftpflichtversicherung müssen davon abweichend sofort angezeigt und separat versichert werden. Vorher ist die Benutzung im öffentlichen Straßenverkehr gesetzlich verboten.

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