Private Krankenversicherung

Private Krankenversicherungen (PKV) sind selbstständige Unternehmen. Aufgrund der freien Marktwirtschaft ist es privaten Krankenversicherung möglich, die Versicherungsbeiträge für die Versicherten eigenständig zu kalkulieren.

Die private Krankenversicherung ist darüber hinaus unabhängig von den gesetzlich vorgeschriebenen Leistungen. Wenn Sie sich privat versichern möchten, bestimmen Sie Ihren Leistungsumfang selber. Es ist jedoch nicht jeder Personengruppe möglich in die private Krankenversicherung zu wechseln. Dafür ist vor allem die berufliche Tätigkeit ausschlaggebend.

Wer kann sich privat versichern?

In der Regel ist man als Berufstätiger in der gesetzlichen Krankenversicherung versichert. Es besteht allerdings für bestimmte Personengruppen die Möglichkeit die gesetzliche Krankenkasse zu verlassen und in die private Krankenversicherung zu wechseln. Damit Sie sich privat versichern können, müssen Sie zu einer der folgenden Personengruppen gehören:

  • Angestellte mit einem jährlichen Bruttoeinkommen über der Jahresarbeitsentgeltgrenze
  • Selbstständige
  • Freiberufler
  • Beamte, Beamtenanwärter, Beamte auf Probe
  • beihilfeberechtigte Personen
  • Studenten
  • Ärzte im Praktikum

Der Anteil der beihilfeberechtigen Personen in der PKV beläuft sich auf 49 Prozent. Die restlichen 51 Prozent der Versicherten haben keinen Anspruch auf Beihilfe. Dazu gehören zum Beispiel Angestellte, Selbstständige oder Freiberufler.

Der Anteil von Männern, Frauen und Kindern sieht laut dem Zahlenbericht des Verbands der Privaten Krankenversicherung e.V. folgendermaßen aus:

PKV-Versicherte

Welche Leistungen können Sie versichern?

In der privaten Krankenversicherung können Sie Ihre Leistungen bei der Antragstellung selber bestimmen. Dabei wählen Sie zwischen Basis- oder Exklusivleistungen. Nicht alle PKV-Tarife bieten den Versicherungsumfang, den Sie grundsätzlich von der privaten Krankenversicherung erwarten könnten. Der Grund dafür ist, dass Interessenten zwar bestimmte Leistungen nicht mitversichern, dafür aber von einem günstigeren Beitrag profitieren können.

Die folgende Tabelle zeigt, wie viel Prozent der Krankenversicherungstarife die ausgewählte Leistung gewährleistet (Quelle: Softfair KrankenModul – TarifLotse). Hierbei handelt es sich nur um einen kurzen Überblick. Daneben gibt es noch viele weitere Leistungen, die Sie vor einem Vertragsabschluss überprüfen und vergleichen sollten:

PKV-Versicherungsleistung Anteil der Tarife
Psychotherapie 87%
Erfolgsabhängige Beitragsrückerstattung 85%
Ergotherapeuten / Logopäden 85%
Schutzimpfungen 84%
Leistungen für Implantate 84%
Heilbehandlung in einem Kurort 80%
Leistungen für Heilpraktiker 79%
Hospizleistung 77%
Tarife ohne Primärarztprinzip 74%
Häusliche Krankenpflege 68%
Erstattung für Rooming-In 63%
Nicht-ärztliche Palliativversorgung 55%
Keine Obergrenze für Erstattung von Hilfsmitteln 53%
Vorsorge ohne Selbstbeteiligung 43%
Zahnersatz über GOÄ-Höchstsatz 22%
Beitragsfreie Erziehungszeit 15%

Diese Tabelle macht klar, wie wichtig ein unabhängiger Versicherungsvergleich ist. Wenn beispielsweise nur 22% der PKV-Tarife eine Erstattung über den Höchstsatz der Gebührenordnung für Zahnersatz leisten, dann kann der Eigenanteil für Inlays, Kronen oder Implantate sehr hoch sein. Häufig rechnen Zahnärzte für solche Leistungen nämlich über dem 3,5-fachen Satz ab. Möchten Sie Ihren Versicherungstarif überprüfen, können Sie sich hier mit einem qualifizierten Berater in Verbindung setzen.

Wahlleistungen in der PKV

Eine Exklusivleistung wäre beispielsweise die Chefarztbehandlung. Wenn es zu einem Krankheitsfall kommt, kann sich die versicherte Person im Krankenhaus von einem Chefarzt behandeln lassen. Die private Krankenversicherung erstattet dann die zusätzlichen Kosten, die für die Behandlung angefallen sind.

Daneben dürfen Sie noch zwischen einem Mehrbett-, Zweibett- und Einbettzimmer im Krankenhaus wählen. Müssen Sie zum Beispiel mehrere Tage in einem Krankenhaus bleiben, dürfen Sie im besten Fall in einem Einbettzimmer übernachten, wenn Sie das in den Versicherungsschutz mit eingeschlossen haben. Nehmen Sie im Krankheitsfall jedoch nur das Zweitbettzimmer, obwohl Sie das Einbettzimmer versichert haben, bekommen Sie die Differenzkosten in einem Geldbetrag ausbezahlt.

Viele Versicherer bieten auch Tarife an, die eine Erstattung über der Gebührenordnung der Ärzte (GOÄ) gewährleisten. Dadurch können Sie in besonders schwerwiegenden Fällen einen Spezialisten in Anspruch nehmen, der höhere Behandlungskosten auf Honorarbasis veranschlagt.

Die besonderen Leistungen der privaten Krankenversicherung finden Sie in dieser Übersicht:

  • Ambulante, stationäre und zahnärztliche Behandlungen
  • Einbettzimmer oder Zweibettzimmer
  • Chefarztbehandlung
  • Qualifizierte Ärzte auf Honorarbasis
  • Zahnersatz bis zu 100 Prozent, inklusive Inlays und Implantate
  • Hochwertige Medikamente
  • Heilpraktiker und Naturheilverfahren
  • Psychotherapie
  • Sehhilfen, wie Brillen und Kontaktlinsen
  • Auslandskrankenversicherung

Wenn Sie innerhalb eines Versicherungsjahres keine Leistungen der privaten Krankenversicherung in Anspruch nehmen, bekommen Sie bei vielen Tarife eine sogenannte Beitragsrückerstattung. Die Höhe der Beitragsrückerstattung ist abhängig von der Höhe der Versicherungsbeiträge, dem Tarif und der Dauer der Leistungsfreiheit.

Für bestimmte Leistungen der privaten Krankenversicherung gibt es eine Wartezeit. Während dieser Zeit erstattet die Versicherung keine Leistungen für die versicherte Person. Bei Antragstellung der Krankenversicherung ist es allerdings möglich die Wartezeit zu umgehen.

Was ist nicht versichert?

Die private Krankenversicherung kann auch Leistungen von dem Versicherungsschutz ausschließen. Allerdings nur dann, wenn Krankheiten oder gesundheitliche Einschränkungen vor der Antragstellung bereits bekannt waren. Alle Krankheiten, die während der Vertragslaufzeit neu auftreten, sind automatisch mitversichert. Ein nachträglicher Ausschluss von Krankheiten ist daher von Seiten der Krankenversicherung nicht möglich. Ein Leistungsausschluss könnte also zum Beispiel in folgenden Fällen vorkommen:

  • Bereits fehlende Zähne
  • Kieferorthopädie nur bis zu einem Alter von 18 Jahren
  • Angeratene ärztliche und zahnärztliche Behandlungen
  • Bestehende Parodontose
  • Kosten für aktuelle Krankenhausaufenthalte

Vor Antragstellung der privaten Krankenversicherung wird der Gesundheitszustand von dem Versicherer geprüft. Danach wird der Versicherungsnehmer über mögliche Einschränkungen oder Zuschläge informiert. Ist man damit einverstanden, muss man noch eine letzte Einverständniserklärung unterschreiben und der Versicherungsschutz tritt in Kraft.

Was kann mitversichert werden?

  • Krankentagegeld
  • Krankenhaustagegeld
  • Pflegepflichtversicherung
  • Pflegezusatzversicherung

Wonach richten sich die Versicherungsbeiträge?

Anders als in der gesetzlichen Krankenversicherung gibt es in der privaten Krankenversicherung keinen einheitlichen Beitragssatz. Vielmehr wird der Versicherungsbeitrag für jede versicherte Person individuell berechnet.

Für die Berechnung der Versicherungsbeiträge ist das Eintrittsalter, die versicherten Leistungen und der Gesundheitszustand ausschlaggebend. Aus diesem Grund können die Beiträge in der privaten Krankenversicherung bei jeder Person unterschiedlich sein.

Desweiteren müssen PKV-Versicherte für jede Person, die mitversichert werden soll, einen eigenen Beitrag bezahlen. Anders als in der Familienversicherung in der GKV müssen Versicherungsnehmer auch für die Kinder und den Lebenspartner einen eigenen Monatsbeitrag aufbringen.

Ansprüche auf eine Beitragsrückerstattung

Viele Tarife der privaten Krankenversicherung bieten Beitragsrückerstattungen an. Die Beitragsrückerstattung bekommen Sie dann ausgezahlt, wenn Sie innerhalb eines Kalenderjahres keine Leistungen bei der Krankenversicherung in Anspruch genommen haben.

Damit der Bonus im darauffolgenden Jahr ausgezahlt wird, muss der Versicherungsvertrag noch meist mindestens bis zum 01. Juli des Folgejahres bestehen. Wird die private Krankenversicherung vorher gekündigt oder gewechselt, verliert der Versicherungsnehmer den Anspruch auf die Auszahlung der Beitragsrückerstattung.

Welche Rückzahlungsvarianten gibt es?

In der privaten Krankenversicherung gibt es zwei verschiedene Arten von Beitragsrückerstattungen. Zum einen gibt es die erfolgsabhängige Beitragsrückerstattung, wodurch sich die Versicherer nicht unbedingt dazu verpflichten diese auszuzahlen. In wirtschaftlich schlechten Zeiten können die PKV-Gesellschaften die Rückerstattungen einbehalten.

Zum anderen gibt es die pauschale Beitragsrückerstattung. Diese Art der Beitragsrückerstattung ist vertraglich garantiert und muss immer ausgezahlt werden, wenn keine Leistungen der privaten Krankenversicherung von dem Versicherungsnehmer in Anspruch genommen wurden.

Die Höhe der Beitragsrückerstattung ist bei jedem Tarif und jedem Unternehmen unterschiedlich. Meist wird die Rückerstattung über Jahre hinweg gestaffelt, so dass bei mehreren aufeinanderfolgenden Jahren die Höhe der Rückzahlung ansteigt. Manche private Krankenversicherungen erstatten sogar bis zu sechs Monatsbeiträge zurück. Solche Tarife sind meist für Angestellte lukrativ, da die andere Hälfte der Versicherungsbeiträge der Arbeitgeber trägt und somit nahezu keine Kosten für den Angestellten anfallen.

Private Krankenversicherung im Alter

Die Beiträge in der privaten Krankenversicherung können steigen, wenn die Krankheitskosten höher sind als von der Versicherung kalkuliert wurde. Im Rentenalter fürchten sich daher viele Menschen vor zu hohen Beitragskosten. Gründe für Beitragserhöhungen sind zum Beispiel Inflation, steigende Lebenserwartung, teurere Medikamente oder Hilfsmittel und steigende Arzt- und Krankenhauskosten.

Extreme Beispiele für eine besonders negative Beitragsentwicklung sind die folgenden PKV-Tarife (Quelle: Softfair KrankenModul – TarifLotse / Beiträge in Euro):

Beitragsentwicklung der PKV

Im schlimmsten Fall hätte sich die Neugeschäftsprämie des Tarifs innerhalb von 8 Jahren um 268% erhöht. Muss das immer so sein? Nein, das muss nicht sein. Für andere Versicherungstarife kann es wieder ganz anders aussehen. Eine Beitragsanpassung kann sich nämlich auch zu Gunsten der versicherten Person auswirken, so dass die PKV-Beiträge sinken.

Wenn Sie eine gute private Krankenversicherung finden möchten, sollten Sie unter anderem auch die Bilanzkennzahlen der Versicherungsgesellschaften berücksichtigten. Diese geben Rückschlüsse auf die Solvenz des Unternehmens. Ebenso sollten Sie über den Abschluss eines Beitragsentlastungstarifs nachdenken, womit die Krankenversicherung im Alter wieder günstiger wird.

Was sind Alterungsrückstellungen?

Nach gesetzlichen Regelungen muss jede private Krankenversicherung seit dem Jahr 2000 für die versicherten Mitglieder einen monatlichen Betrag zurücklegen, damit Rücklagen gebildet werden können. Die verzinslich angesammelten Rücklagen nennt man Alterungsrückstellungen.

Alterungsrückstellungen sollen dazu dienen, dass die Versicherungsbeiträge im Rentenalter nicht mehr angehoben werden müssen und die Versicherungsnehmer mit einem stabilen monatlichen Beitrag rechnen können. Bei besonders hohen Rücklagen ist es sogar möglich den Versicherungsbeitrag zu senken.

Die Höhe der monatlichen Ansparung ist abhängig von dem Tarifbeitrag für die Krankenversicherung. Davon werden 10 Prozent zusätzlich auf den Beitrag hinzugerechnet. Diese, durch den Gesetzgeber vorgeschriebene Rücklage, nennt man auch gesetzlichen Zuschlag.

Vergleiche

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